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2015_zeitzeugin

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„Dieser Hitler bringt Unheil"

Zeitzeugin Anna Hackl berichtete im CCA Turnsaal vor Schulklassen der FS Wirtschaft und des Aufbaulehrganges über ihre Erlebnisse bei der „Mühlviertler Hasenjagd".
Todesblock.

Wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges fand im Mühlviertel eine Menschenhatz statt, die als Mühlviertler Hasenjagd bekannt wurde. Es ist die Geschichte von Verzweiflung, Feigheit und Angst. Aber auch von Hoffnung und Mut. Es ist die Geschichte von Anna Hackl. Sie berichtete wie am 2. Februar 1945, 0.05 Uhr im Konzentrationslager Mauthausen, Block 20, Todesblock bei minus acht Grad die gefangenen russischen Offiziere die Fensterläden aufreißen und aus der Baracke springen. Es sind etwas mehr als 500 K-Häftlinge, die im Ausbruch ihre letzte Überlebenschance sehen, denn das „K" steht für Kugel, also Tod durch Genickschuss. Die geschundenen und abgemagerten jungen Männer werfen Steine, Seifenstücke und ihre Schuhe auf die Wachen und versuchen mit Feuerlöschern, deren Sicht einzudämmen. Mit nassen Decken schließen sie den elektrischen Stacheldrahtzaun kurz und klettern in die Freiheit – für hundert von ihnen endet diese im Kugelhagel. Nur wenige überleben.

Eine überzeugte Gegnerin
„Meine Mutter hat immer gesagt, dieser Hitler bringt Unheil‘", erinnert sich die heute 84-jährige Anna Hackl. „Sie war immer eine Gegnerin." Als der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, musste sie zusehen, wie ihre Söhne in den Krieg zogen. „Sie hat bitterlich geweint", sagt Anna Hackl, die zu Kriegsbeginn ein achtjähriges Mädchen war. „Ich habe das damals nicht verstanden. Heute habe ich selbst fünf Kinder und kann mir vorstellen, was sie gefühlt haben muss."
Anna Hackls Brüder kamen alle unversehrt nach der Gefangenschaft zurück. „Das war gottgewollt. Viele Menschen sind gestorben, andere haben einen oder beide Füße verloren, manche starben an den Folgen der Verletzungen. Vom Krieg erzählt hat niemand. Wahrscheinlich, weil er zu grausam und zu brutal war."

Die beiden ukrainischen Offiziere Nikolai Zemkalo und Michael Rjabtschinkij haben es bis zum Langthalerhof in Winden bei Schwertberg geschafft. Um zu überleben, müssen sie essen. Die Mutter der Zeitzeugin lässt die beiden Flüchtlinge hinein und gibt ihm zu essen und versteckt sie dann im Heustadl. Wenig später durchsucht die SS den Hof der Langthalers und den Stadl mit Heugabeln. Nikolai und Michael spüren die Soldaten über ihnen, werden jedoch von den Heugabeln nicht getroffen. Auch die Hunde nehmen keine Witterung auf. Die SS zieht wieder ab.

„Ich bin stolz darauf, was meine Mutter gemacht hat."

„Ja, meine Mutter hat uns in Gefahr gebracht. Hätten sie jemanden entdeckt, wir wären alle erschossen worden", sagt Anna Hackl. „Dennoch: Wir waren und sind immer noch stolz."

Robert Voglhuber

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