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2016_privatschulen

Events

Tag der katholischen Privatschulen
Lehr-Therapeuticum mit dem „hüpfenden Doktor" im Schloss Zeillern


Umgeben vom Charme und dem regionaltypischen Flair von Schloss Zeillern fand heuer am 30. März der Tag der katholischen Privatschulen statt.


„BEZIEHUNGSWEISE PÄDAGOGINNEN/ BEZIEHUNGSWEISE SCHULE" lautete das Thema des Ganztagsworkshops mit dem Allgemeinmediziner und Psychotherapeuten Dr. Georg Wögerbauer, der als „hüpfender Doktor", wie ihn die Leute in der Umgebung seiner Gemeinschaftspraxis mit Gattin und seinem Bruder im Kloster Pernegg im Waldviertel gerne nennen, mit 180 PädagogInnen der Bildungsanstalten des Franziskanerordens einen äußerst lebendigen Fortbildungskurs gestaltete, denn, wie er sagte, ohne Bewegung gebe es keine Bewegtheit. Nach der Begrüßungsrede von Generaloberin Sr. Franziska verwies auch gleich Organisatorin Sr. Elvira bei ihren einleitenden Worten darauf hin, „dass es ein bisschen lebendig und vielseitig werden wird." Bevor Dr. Wögerbauer mit seinen Ausführungen begann, stellte er Birgit Gruber vor, die gerade die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester macht und bei ihm ihren ersten Praktikumstag hatte und ihn zum Workshop nach Zeillern begleitete.  Wögerbauer:  „Sie merkte,  dass das ein ganz komischer Arzt ist und sie fragte sich, was hat das mit Gesundheit zu tun, wenn ein Arzt zu PädagogInnen spricht." Eine Antwort könnte der steinerne Engel am Eingang zum Franziskanerkloster Pernegg, wo Wögerbauer seine Arztniederlassung angemietet hat, geben, der alle begrüßt, die kommen, mit folgendem Spruch: Pax intrantibus et salus exeuntibus. – Friede den Eintretenden und Gesundsein denen die hinausgehen.….. ein Weg, den wir selbst täglich gehen und üben.

Entwicklungshilfe in Afrika

Dr. Wögerbauer plauderte aus seiner therapeutischen Praxis und über sein umfassendes Erfahrungswissen, das er mit einer medizinischen Entwicklungshilfeorganisation auf einer Projektreise durch Tansania und Mosambik sammeln konnte. Er war überwältigt und beeindruckt und berührt von den Lebensbedingungen der Menschen in diesen ärmsten Ländern Afrikas. In Europa sei er ausgebildet als Arzt, Menschen zu behandeln, die meistens am "Zuviel" erkranken. In Afrika begegnete er Menschen, die am "Zuwenig" erkranken. In seinen Anfangsjahren als Arzt geriet Wögerbauer in einen Konflikt mit der Medizin. „Auf der Chirurgie in Horn", so Wögerbauer, „ kamen Patienten zum Operieren sehr spät, erst wenn ein Organ schon kaputt ist, dann schneidet man es raus. Ich dachte, ich habe ja nicht 7 Jahre Medizin gelernt, damit ich dann Defektheilungen produziere und somit ist er in eine Krise gekommen darüber, dass Medizin erst so spät ansetzt." Und jetzt kommt der eigentliche Grund, warum Dr. Wögerbauer so gerne mit PädagogInnen arbeitet: „Weil für mich PädagogInnen an der Basis der psychosozialen Prävention sind.

PädagogInnen sind Führungskräfte

Deshalb sind sie Führungskräfte und zum Führen bracht man Kraft." Wögerbauer habe viele Lehrer in seiner therapeutischen Praxis, denen die Kraft ausgegangen sei. Führungskräfte brauchen ihre wichtigste Ressource und die ist der Körper. Bioenergetische Analyse ist eine körperorientierte Therapie, mit der er als Arzt arbeitet. Manche nennen ihn den „hupferten Doktor" und er sei ein bissl komisch, weil er mit seinen Patienten hüpft, meist mit denen, die irrsinnig gescheit sind, damit die Energie hinunterkomme in die Füße. Mit den ewig intellektuell kognitiven Typen hüpfe er gern oder setze sich mit ihnen auf den Boden, wenn sie so hoch oben seien mit ihrer Energie. Auch mit uns ist er gehüpft, bis wir intellektuell herabdepotenziert waren; oder vielleicht doch nicht so ganz. „Grounding-Übung" nennt er dieses Herunterkommen, denn „ohne Bewegung keine Bewegtheit". Dann plauderte Wögerbauer über Beziehungen, die man vorerst lerne in der Primärfamilie, aber es sei auch Aufgabe der Schule, Beziehungskultur zu vermitteln, soziale Kompetenz und Empathie. Für manche Schüler sei die Schulklasse ein wichtigerer Schutzraum als das Elternhaus. In der Schule gehe es auch um Wertschätzung, die oft im Elternhaus fehle. Auch unter den Lehrern sei Wertschätzung wichtig, dementsprechend führte er eine sogenannte Imago- Übung mit zwei freiwilligen Kolleginnen, Liesbeth und Barbara, durch, die sich gegenseitig vor dem großen Plenum in ihren positiven Eigenschaften bestärkten. In weiterer Folge kamen noch viele Teilaspekte zum Thema Gesundheitskompetenz zur Sprache, bis noch gegen Ende des 7-stündigen Marathons die Kunst des „abschiedlichen Lebens" angesprochen wurde, die den Grundsatzgedanken in sich trägt: Dieser Tag ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. In der Mittagspause verwöhnte uns die Schlossküche mit regionalen, raffinierten und doch bodenständigen Schmankerln, zu der uns die Ordensleitung einlud. Dafür ein herzliches Dankeschön im Namen aller.

Robert Voglhuber

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