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Tag der katholischen Privatschulen

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Wie ticken Jugendliche?

Jugendforscherin und Religionspädagogin Univ. Prof.in Dr.in Ilse Kögler gab am Tag der Katholischen Privatschulen an der HLUW Ysper in ihrem Vortrag zum Thema „Wie tickt die heutige Jugend?“ Einblicke in die Lebenswelten und Milieus von Jugendlichen.

In ihren Ausführungen stützte sich Ilse Kögler im Wesentlichen auf eine Sinus-Studie von Marc Calmbach und Peter Martin Thomas. Jugendliche messen den Wert eines Menschen in erster Linie an seiner Leistungsfähigkeit bzw. seiner Bildungsbiografie. Wichtig seien Halt und Zugehörigkeit sowie Sicherheit, Pflichtbewusstsein, Familie und Freundschaft.  Neben einer „traditionellen“ Denkart dominieren individualistisches Leistungsethos und hedonistische ichbezogene Entfaltungswerte. Die Lösungsstrategien sind kategorial sehr unterschiedlich in einer sogenannten „Werte-Patchwork im meist recht expressiven Stil als Selbstperformance, bei der Jugendliche jenseits des Einflussbereiches von Erwachsenen „ihr eigenes Ding“ durchziehen können. Dabei werde in der Sinus-Studie deutlich, dass sich unterschiedliche Gruppierungen herausbilden, so die Vortragende, wie z.B. die „Konservativ-Bürgerlichen“, bei denen es nicht so sehr darauf ankomme, wer z.B. „ der Coolste“ ist. Wohingegen die „Experimentalistischen Hedonisten“ aus der Masse herausstechen und anecken wollen und sich vom Mainstream in Richtung des „Undergroundigen“ distanzieren. Die Studie hält auch fest, dass soziales und ökologisches Engagement Jugendlichen insgesamt deutlich näher liegt als politisches. Jugendliche wollen sich vor allem für und nicht gegen etwas engagieren. Die Jugendszene der „Sozialökologischen“ wiederum will sich und die Welt entdecken und die „Adaptiv-Pragmatischen“  wollen persönliche Interessen mit Gemeinnützigkeit verbinden. Für eher „beiläufiges und bequemes“ Engagement sind die „Expeditiven“ offen. Die „Experimentalistischen Hedonisten“, engagieren sich in Szenen. Ein auffälliges Merkmal bei den „Materialistischen Hedonisten“,  sei die Skepsis. Sie glauben nicht, dass sich gesellschaftlich wirklich etwas verändern lässt. Die „Prekären Jugendlichen“ zeigen kaum gesellschaftliches Engagement. Ihr Blick ist vor allem auf das eigene Schicksal gerichtet. Helfen beruht für sie auf Gegenseitigkeit nach dem Motto: Wer hilft, dem wird auch geholfen.  

Hinsichtlich religiöser Einstellung und Glaube sind alle Gruppierungen der Kirche nur selten verbunden. Die Institution Kirche wird als „unnahbar“ und „menschenfern“ erlebt. Außer vielleicht bei den „Konservativen“ besteht zur Kirche kaum eine emotionale Bindung, allein schon deshalb, weil ihr bereits die Eltern keinen hohen Stellenwert im Alltag mehr beimessen. Hier muss die Religionspädagogik insofern ansetzen, dass für viele Jugendliche der christliche  Glaube heute erst biografisch relevant erlebbar gemacht werden muss. Glaubwürdigkeit und Authentizität sei wichtig. Pädagogen sollen Auskunft über ihre christliche Überzeugung geben können, woraus sie Kraft schöpfen und was ihnen Halt gibt.

Robert Voglhuber

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