Direkt zum Seiteninhalt

Vortrag Kammerstätter

Events

Tragbares Vaterland

Vortrag von Johannes Kammerstätter über das Judentum im Mostviertel

Genau vor 75 Jahren -  in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der „Reichsprogromnacht" -  wurden überall im Deutschen Reich organisierte Gewaltmaßnahmen gegen Juden, jüdische Einrichtungen, Tempel und Geschäftsfassaden gesetzt. Dr. Johannes Kammerstätter hat in einem umfassenden Werk mit dem Titel „Tragbares Vaterland"  das Schicksal der Mostviertler Juden zusammengetragen und Überlebende und deren Nachkommen aus aller Welt kontaktiert. 75 Jahre nach den Novemberprogromen hielt Kammerstätter im Pfarrsaal St. Stephan in Amstetten einen Vortrag für die SchülerInnen der Fachschulen Wirtschaft und des Aufbaulehrgangs über einen Querschnitt repräsentativer Einzelschicksale aus unserer Gegend, über Verlorene und Gerettete, über Täter und barmherzige Samariter.

So sehr die Nazis ihre Volksgenossen umgarnten, so unmenschlich gingen sie gegen ihre angeblichen Gegner vor, vor allem gegen Juden. Hitler schreibt in seinem erstem politischen Text: Das letzte Ziel muss unverrückbar die Entfernung aller Juden sein. Den größten Teil seines Buches „ Mein Kampf" widmet er demselben Thema.

Jüdischer Friedhof-schützenswertes Kulturdenkmal

In Niederösterreich gab es zahlreiche Kultusgemeinden und Bethausvereine, übriggeblieben sind von den meisten nur ihre Friedhöfe. Sämtliche Bewohner wurden vertrieben oder umgebracht. Was also ist überhaupt noch vorhanden in Niederösterreich, um einen Einblick zu gewähren in seine jüdische Vergangenheit? Der Jüdische Friedhof Ybbs ist ein schützenswertes Kulturdenkmal.
Die Geschichte, die Namen, die Schicksale und die Kontakte zu Überlebenden in aller Welt zurück ins Mostviertel zu tragen war die Aufgabe von Dr. Johannes Kammerstätter und seinen Schülern und Schülerinnen der landwirtschaftlichen Schule Francisco Josephinum in Wieselburg.

Die jüdische Gemeinde des Mostviertels war weit verstreut. Es gab keine Synagoge und nur zeitweise einen Rabbiner. Beträume waren in Privathäusern untergebracht. Die SchülerInnen forschten mit viel Engagement in Archiven nach Überlebenden und wurden fündig. Es fanden sich Geschichten von Menschen. Z. B. Paul Peter Porges, Cartoonist des Kultmagazins „Mad" lebt in New York. Er ist gebürtiger Scheibbser. „Garten der Versöhnung" nennen die Schüler den jüdischen Friedhof. Sie stellten Skulpturen auf, die in der Metallwerkstatt des Josephinums hergestellt wurden. Sie zeigen Porträts von Menschen, die aktiv Widerstand leisteten. Franz Sitter aus Ybbs weigerte sich als „Krankenpfleger" im Todesheim der Psychiatrie Schloss Hartheim zu arbeiten. Dr. Erwin Leder, Lagerleiter in Weißrussland, rettete vielen Menschen durch bessere Verpflegung nachweislich das Leben. Theresa Rager aus Feichsen bei Purgstall wurde wegen eines Verses eingesperrt. Sie reimte: Wir wollen keinen Krieg/ Wir brauchen keinen Sieg/ Wir wollen unser freies Östereich/ und freun uns auf die Hitlerleich.  


Robert Voglhuber

Zurück zum Seiteninhalt